Die KI-Forschungsgruppe im Austauschrausch: Erfahrungen und Entdeckungen auf dem Informatik Festival in Potsdam
Ein Beitrag von Arn Dietz, Martin Brenzke, Deniz Weißbrodt
In Potsdam fand vom 16. bis 19. September die Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), das Informatik Festival, statt – eine gute Gelegenheit, sich national und international mit Kolleginnen und Kollegen zu Themen rund um die Informatik auszutauschen. Von Backend-Entwicklung über Usability Engineering und Komplexitätstheorie bis hin zu Künstlicher Intelligenz gab es viel zu besprechen.
Stichwort Künstliche Intelligenz: Am Festival waren mehrere Konferenzen "angedockt", so auch die KI 2025, eine der großen europäischen KI-Konferenzen mit mehreren hundert Teilnehmenden. Auf dieser war auch unsere Fachgruppe "Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt" mit einem Workshop unter der Leitung von PD Dr. Thea Radüntz zum Thema "Smarter Workplaces: The Role of AI in Promoting Occupational Safety and Health" (AI4POSH) vertreten. Mit dieser Session konnte die Relevanz von KI als Instrument für den Arbeitsschutzes und eine Austauschplattform für Teilnehmende mit technischem Hintergrund geschaffen werden.
Neben unseren Beiträgen zur dermalen Expositionsabschätzung mit Faltungsnetzen1, der sensorassistierten Gefährdungsbeurteilung2 und zur Verbreitung des Algorithmic Managements3 wurde der Workshop durch viele weitere externe Beiträge bereichert.
So stellte Marthe Gruner vom Institut für Multimediale und Interaktive Systeme der Universität Lübeck die neusten Fortschritte bei der Anwendung von Bildauswertungsalgorithmen zur Erkennung von Objekten und Personen auf hoher See in der Seenotrettung vor4. Dabei wurde differenziert diskutiert, welchen Effekt der Einsatz von KI für die mentale Beanspruchung der Seenotrettungsmitarbeitenden hat.
Milad Geravand von der Deep Care GmbH gab einen praktischen Einblick in die KI-getriebene Gesundheitsassistenz an Büroarbeitsplätzen5. Dabei wurde eine Interventionsstudie vorgestellt, in der ein sensorbasiertes KI-System, das Verhalten in sitzenden Arbeitsumgebungen unterstützt. Das KI-System arbeitet vollständig offline und gibt in Echtzeit kontextsensitives Feedback, um eine bessere Haltung, mehr Bewegung und regelmäßiges Trinken zu fördern.
Felix Leitner stellte eine Kooperation des Institut für Arbeits-, Sozial- und Präventivmedizin der Universität Göttingen und des Lehrstuhls für Psychologie Intelligenter Interaktiver Systeme der Universität Würzburg vor. Dabei ging es um einen KI-Assistenten, der dazu konzipiert wird, die gesundheitlichen Risiken von Beschäftigten bei hybrider Arbeit abzuschätzen6.
Den Abschluss der Session bildete der Vortrag von PD Dr. Thea Radüntz mit einem Vortrag über das Datenfreigabeverhalten von Nutzern eines7 KI-gestützten Lernempfehlungssystems (AI-LRS). Diese Systeme nutzen große Mengen personenbezogener Daten und komplexe KI-Methoden. Das kann jedoch Datenschutzbedenken auslösen und somit die Akzeptanz beeinträchtigen. Bisher ist wenig darüber bekannt, wie individuelle Unterschiede wie Persönlichkeit, bisherige Erfahrungen mit KI oder Datenschutzverletzungen sowie demografische Merkmale die Nutzungsbereitschaft beeinflussen. Die vorgestellte Studie untersuchte daher den Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und den Datenschutzbedenken sowie der Intention zur Nutzung von AI-LRS.
Die Session Proceedings sind unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fokus/Smarter-workplaces zu finden.
Nach der erfolgreichen Durchführung des Workshops konnten wir durch die übrigen Beiträge des Informatik Festivals spannende Einblicke in weitere Themen rund um KI gewinnen. Zu unseren Vortragshighlights zählten eine Keynote von Prof. Barbara Hammer, in der sie vorstellte, wie Techniken des maschinellen Lernens zur Verbesserung der Wartung und Weiterentwicklung städtischer Wasserversorgungssysteme beitragen können8.
Björn Filter stellte in seinem Vortrag einen Algorithmus vor, der benutzt werden kann, um das Teilen von Daten bei Kollaborationen mehrerer Parteien gerecht zu gestalten9 – ein Thema, das in der Zukunft, gerade im Feld des federated learning, noch wichtig werden wird.
Am wissenschaftlich-methodischen Schwerpunkt des Themenspektrums „maschinelles Lernen“ erläuterte Tom Hanika, welche mathematischen Kriterien benutzt werden können, um vor dem Training eines lernfähigen Algorithmus die Daten zu identifizieren, die am wichtigsten für ein erfolgreiches Training sind10. So kann der Trainingsprozess ökologischer oder performanter gestaltet werden.
Darüber hinaus gab es auf dem Festival auch abseits der Vorträge viel zu sehen, zu besprechen und zu tun. In kollegialer Atmosphäre nebst favorisiertem Heiß- oder Kaltgetränk diskutierten wir mit den anderen Teilnehmenden sowohl die Themen der Vorträge als auch Probleme, die sich im wissenschaftlichen Alltag im Umgang mit KI ergeben. Denn es ist auch mal spannend zu hören, wie die Kolleginnen und Kollegen ihre Serverlandschaft im Labor und abseits davon betreiben und gestalten.
Neben dem Getümmel auf dem Festival und am Unicampus ist Potsdam an sich natürlich auch einfach eine schöne Stadt, in der sich die Abendgestaltung abseits der offiziellen Termine leicht finden ließ.
Abschließend lässt sich festhalten, dass der Besuch des Informatik Festivals in Potsdam für die Arbeit unserer Fachgruppe äußerst wertvolle Impulse und Anknüpfungspunkte geliefert hat.
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1 D. Weißbrodt, M. Roitzsch, U. Schlüter, T. Radüntz, 2025, Hyperparameter Optimization for Improved CNN-Based Image Regression of Dermal Exposure in Occupational Settings
2 A. Dietz, 2025, Requirements and Demands for a Sensor Network for AI-Assisted Risk Assessment in Occupational Safety and Health
3 M. Brenzke, 2025, Artificial Intelligence Tools in Algorithmic Management: Towards Understanding Digital Sovereignty of Employees
4 M. Gruner, T. Schumacher, C. Wilk, A. Grauerholz, J. E. Hannig, C. Schönicke, A. Calero Valdez, 2025, AI-Assisted Person Detection in Maritime Search and Rescue: Managing Workload Distribution of Helicopter Crew Operations
5 F. Blohm, M. Geravand, 2025, Artificial Intelligence in Workplace Health Promotion: How Technology Enhances Participation, Engagement, and Sustainable Impact
6 S. Voelter-Mahlknecht, F. Leitner , L. Liman , C. Wienrich, 2025, Artificial Intelligence (AI) in Occupational Medicine – How Can We Optimize the Work of Occupational Physicians
7 M. Klostermann, T. Radüntz, 2025, Behind the Click: How Personality, Experience, and Privacy Shape AI-based Learning in the Workplace
8 https://waterfutures.eu/project/#
9 B. Filter, J. Schubsda, R. Möller, Ö. L. Özçep , 2026, Balanced Reciprocity for Data Sharing—Axiomatization and Mechanism Design, KI 2025: Advances in Artificial Intelligence
10 M. Stubbemann, T. Hille, T. Hanika, 2026, Unsupervised Selection of Features by Their Resilience to the Curse of Dimensionality, KI 2025: Advances in Artificial Intelligence
Zitiervorschlag
Dietz, Arn; Brenzke, Martin; Weißbrodt, Deniz, 2025. AI4POSH – Die BAuA auf dem Informatik Festival der Gesellschaft für Informatik [online]. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Verfügbar unter: https://www.baua.de/DE/Forschung/Projektblogs/KI-Blog/Artikel/KI-Informatik-Festival-25