Freie Universität Berlin, AG Riedel: Nachhaltigere Chlorchemie und Technologie

  • Datum 24. Januar 2024

Chlor (Cl2) ist eine der wichtigsten Basischemikalien auf der Welt und wird industriell für die Herstellung zahlreicher Materialien wie Polymere, Medikamente und Agrochemikalien verwendet. Um den globalen Bedarf an Chlor zu decken, wird es weltweit in einer Größenordnung von über 90 Mio. Tonnen pro Jahr produziert. In Deutschland werden ca. 5.5 Mio. Tonnen Chlor, hauptsächlich durch Chloralkalielektrolyse hergestellt. Hierfür werden ca. 2,5% des deutschen Strombedarfs (ca. 7% in NRW) pro Jahr verbraucht.

Derzeit ist die Produktion von Chlor durch Chloralkalielektrolyse in hohem Maße von Grundlaststrom abhängig. Obwohl die Chloralkalielektrolyse prinzipiell anpassungsfähig an Stromschwankungen ist, sind die meisten nachgelagerten Prozesse, die Chlor verwenden, dies nicht. Um Chlor mit erneuerbaren Energien zu erzeugen, ist eine Zwischenlagerung des Chlors sinnvoll. Üblicherweise wird Chlor durch Druckverflüssigung gelagert, was problematisch und energieaufwendig ist und daher meist vermieden wird. Ein weiteres Problem ist der Transport von druckverflüssigtem Chlor z.B. per Bahn, gerade wenn dieser durch stark besiedelte Gebiete führt.

Die Arbeitsgruppe Riedel am Institut für Chemie und Biochemie - Anorganische Chemie der Freien Universität Berlin hat in den letzten Jahren einen neuartigen Chlorspeicher basierend auf sogenannten Polychloriden entwickelt. Im Gegensatz zur üblichen Druckverflüssigung von Chlor wird Chlor in Form von einer Ionischen Flüssigkeit nahezu drucklos bei Raumtemperatur gespeichert und kann so transportiert und ggfs. für die direkte Verwendung genutzt werden. Aufgrund des geringeren Dampfdrucks der Speicherflüssigkeit ist, z.B. im Falle einer Leckage oder eines Unfalls, eine geringere Freisetzung von Chlor zu erwarten. Mit diesem Speicher könnten die derzeitigen Beschränkungen bei der Lagerung und dem Transport von Chlor überwunden werden, so dass erneuerbare Energien effizienter genutzt und eine Flexibilisierung der Chlorindustrie erreicht werden kann.

Die Quelle der Meldung und weitere Informationen sind hier zu finden: Freie Universität Berlin, AG Hasenstab-Riedel, Nachhaltigere Chlorchemie und Technologie https://www.bcp.fu-berlin.de/chemie/chemie/forschung/InorgChem/agriedel/Forschung/Chlorchemie/index.html