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Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 600 „Substitution“

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1. Erstellt durch:

Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS), 2008

2. Beschreibung

Gemäß der Deutschen Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, Substitutionsmöglichkeiten zu ermitteln, zu prüfen, darüber zu entscheiden und dies zu dokumentieren. Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) ist damit beauftragt sog. Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) zu erstellen und ggf. anzupassen. Die TRGS sollen den Stand der Technik, der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz sowie der Arbeitshygiene beschreiben, sowie weitere, wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich auf die Anforderungen zur Vermarktung und Handhabung von gefährlichen Stoffen beziehen, integrieren.

Ziel der TRGS zur Substitution ist es, Arbeitgeber dabei zu unterstützen

  1. Tätigkeiten mit gefährlichen Stoffe zu vermeiden,
  2. Gefährliche Stoffe durch Stoffe, Gemische oder Prozesse zu ersetzen, die unter den gegebenen Anwendungsbedingungen weniger gefährlich sind,
  3. Gefährliche Prozesse durch ungefährlichere Prozesse zu ersetzen.

Die TRGS 600 beschreibt einen Entscheidungsrahmen für die Substitution mit Prüfkriterien für die technische Machbarkeit, den Gesundheitsschutz sowie die physikochemischen Risiken von Alternativen.

Zunächst stellt die TRGS allgemeine Prinzipien auf, anhand derer die Risiken eines verwendeten Stoffes mit denen eines alternative Stoffes verglichen werden können. Die Risiken eines Stoffes können entlang der folgenden Prinzipien bewertet werden:

Gesundheitsgefahren:

  1. Stoffe mit niedrigen Arbeitsplatzgrenzwerten (AGW) > Stoffe mit höheren AGW (wenn die Stoffeigenschaften und Expositionen vergleichbar sind, ist der Quotient aus dem AGW und dem Dampfdruck relevant, z.B. im Falle von Flüssigkeiten),
  2. Systemische Effekte: sehr giftig (T+) > giftig (T) > gesundheitsgefährlich (Xn) > keine dieser Eigenschaften,
  3. Ätzend / reizend: ätzend (C) > reizend (Xi) > keine dieser Eigenschaften,
  4. Krebserzeugend, erbgutverändert, reproduktionstoxisch (KMR) > nicht KMR.

Physikalisch – chemische Gefahren:

  1. Hochentzündlich (F+) oder pyrophor (F, R 17) > leicht entzündlich (F) > entzündlich (R 10) > keine dieser Eigenschaften,
  2. Brandfördernd (O) > nicht brandfördern,
  3. Explosionsgefährlich (E) > nicht explosionsgefährlich.

Freisetzungspotenzial

  1. Große Menge > kleine Menge,
  2. Verfahren mit Benetzung großer Flächen > Verfahren mit Benetzung kleiner Flächen,
  3. Gas > Flüssigkeit > Paste,
  4. Staubender Feststoff > nicht staubender Feststoff,
  5. Sublimierender Feststoff > nicht sublimierender Feststoff,
  6. Niedriger Siedepunkt (hoher Dampfdruck) > hoher Siedepunkt (niedriger Dampf-druck),
  7. Offenes Verfahren > geschlossenes Verfahren,
  8. Verfahren bei hohen Temperaturen > Verfahren bei Raumtemperatur,
  9. Verfahren unter Druck > drucklose Verfahren,
  10. Verfahren unter Erzeugung von Aerosolen > aerosolfreie Verfahren.

Für die erste Entscheidung über die Angemessenheit einer Substitutionsmöglichkeit sollten Abschätzungsmethoden genutzt werden wenn es nicht möglich ist, anhand der allgemeinen Empfehlungen zu einer Entscheidung zu kommen oder die Risikobewertung nicht eindeutig ist. Hier – werden insbesondere das Spaltenmodell und das Wirkfaktorenmodell genannt.

Die Bewertung der technischen Eignung sowie der Gesundheits- und physikochemischen Risiken werden dann in die endgültige Substitutionsentscheidung integriert.

Bei Tätigkeiten mit gefährlichen Stoffen, die giftig, sehr giftig, krebserzeugend, erbgutschädigend oder reproduktionstoxisch sind (Kategorien 1 und 2) muss Substitution umgesetzt werden, wenn Alternativen technisch praktikabel sind und durch ihren Einsatz das Risiko für die Arbeitnehmer insgesamt verringert wird. In anderen Fällen darf der Arbeitgeber wirtschaftliche Überlegungen in die Entscheidung einbeziehen.

3. Verlässlichkeit

Die wichtigste Informationsquelle für diese Methode sind Sicherheitsdatenblätter. In verschiedenen, europaweit durchgeführten Studien wurden relevante Defizite in Sicherheitsdatenblättern identifiziert, die insbesondere im Bereich der Einstufung liegen. Es ist daher ratsam, die den Stoffen zugewiesenen R-Sätze anhand zusätzlicher Quellen, wie z.B. dem Europäischen Stoffinformationssystem (ESIS) zu überprüfen. Die Umsetzung der Europäischen Chemikalienverordnung (REACH) wird in den nächsten Jahren zu einer (Neu-) Einstufung vieler Stoffe führen.

4. Anwendbarkeit

Die Anwendbarkeit ist auf den Vergleich eines chemischen Produktes mit einem anderen chemischen Produkt in einzelnen Substitutionsfällen beschränkt. Es ist nicht möglich Produkte mit alternativen Verfahren oder Technologien zu vergleichen. Die Methode richtet sich an KMUs und Nutzer, die keine speziellen Vorkenntnisse haben. Es berücksichtigt chemische Gefahren, Expositionen und Risiken sowie die technische und wirtschaftliche Machbarkeit.

5. Nutzerfreundlichkeit

Die Methode ist für nicht-professionelle Anwender auch ohne spezielle Schulung leicht nutzbar wenn Sicherheitsdatenblätter vorliegen. Die Methode richtet sich primär an KMUs und nicht spezialisierte Verwender.

6. Einschränkungen

Die Methode basiert auf der Verwendung der Einstufung von Stoffen. Diese ist für alle Stoffe, die in der EU auf den Markt gebracht werden verbindlich vorgeschrieben. Allerdings ist eine Einstufung dann nicht möglich, wenn entsprechende Daten fehlen. In Sicherheitsdatenblättern ist oft nicht erkennbar warum eine Einstufung NICHT vorgenommen wurde (fehlende Daten, nicht schlüssige Daten, Daten belegen, dass keine Gefahr besteht). In diesen Fällen sollte geprüft werden, ob ein Stoff in anderen Quellen als dem erhaltenen Sicherheitsdatenblatt eingestuft ist. Die Einstufung aller Stoffe soll im Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis auf der Website der ECHA veröffentlicht werden.

Der wichtigste Vorteil der Methode ist, dass sie durch nicht-professionelle Nutzer einfach nutzbar ist und eine schnelle Bewertung möglicher Substitute und Alternativen unterstützt.

7. Verfügbarkeit

Die TRGS 600 (Deutsch und Englisch) kann kostenfrei auf den Internetseiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) heruntergeladen werden

8. Links

Gehe zu: www.baua.de

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