Navigation und Service

Klimawandel und Arbeitsschutz

Klimawandel rückt zentrale Themen des Arbeitsschutzes in den Fokus

Der Klimawandel stellt zentrale Themen des Arbeitsschutzes in ein neues Licht. Dies betrifft die physikalischen Faktoren der Arbeitsumgebung (z. B. Hitze) ebenso wie Berufskrankheiten (z. B. Hautkrebs durch UV-Strahlung), neue Infektionserkrankungen (durch Vektoren) oder Gefahrstoffe (z. B. in Speichertechnologien). Gleichzeitig erfordert der Klimawandel neue, breitere Perspektiven auf Geschäftsprozesse, Produktlebensläufe und Lieferketten, etwa durch Dekarbonisierung, die Anforderungen an die Verwendung von nachhaltigen Produkten oder das Recycling in der Kreislaufwirtschaft und Nutzung nachhaltiger Energiequellen.

Bauarbeiter mit Signalweste und Helm blickt auf Baustelle © iStock | LightFieldStudios

Physikalische Einflüsse der Arbeitsumgebung zählen im Arbeitsschutz zu den etablierten, gut untersuchten Belastungsfaktoren, zu denen teils seit Jahrzehnten gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Gleiches gilt auch für die Prävention von Berufskrankheiten. Die darauf basierenden Schutzmaßnahmen können einen Beitrag dazu leisten, den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Dabei ist zu klären, wie die Erkenntnisse des Arbeitsschutzes genutzt werden können, wie beispielsweise Bewertungsmaßstäbe anzupassen sind, welche Erkenntnislücken bestehen und wie sie geschlossen werden können. So sind auch Wechselwirkungen zwischen Belastungsfaktoren zu berücksichtigen, wie z. B. kombinierte Auswirkungen von Hitze und Stress auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten.

Der Arbeitsschutz ist jedoch gefordert, auch weitere Themen, die eng mit dem Klimawandel verknüpft sind, verstärkt in den Blick zu nehmen. Im Zuge der Transformation der Wirtschaft hin zu ressourcenschonenden, klimaneutralen Produkten und Prozessen entstehen neue Herausforderungen, z. B. im Umgang mit Gefahrstoffen, etwa durch die technisch notwendige Verwendung von Stoffen mit gesundheitsgefährdenden Eigenschaften in Speichertechnologien.

Die durch den Klimawandel angestrebte Dekarbonisierung verändert Produktionsketten und Lieferketten teils erheblich. Damit verbunden ist beispielsweise ein Bedeutungszuwachs der Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie biologischer Prozessschritte und Elektrifizierung basierend auf alternativen Energiequellen. Für den Arbeitsschutz bedeutet dies eine Neubewertung der Risiken durch Gefahrstoffe an vielen Arbeitsplätzen und eine steigende Bedeutung des beabsichtigten und unbeabsichtigten Umgangs mit biologischen Arbeitsstoffen. Auch können neue Energiearten, die den Einsatz fossiler Energien ersetzten, neue Gefährdungen mit sich bringen.

Schließlich werden Anforderungen an die Verwendung von nachhaltigen Produkten nicht nur in Bezug auf deren Haltbarkeit, Zuverlässigkeit und Wiederverwendbarkeit gestellt. Sie beziehen sich u.a. auch auf die Wartung und Überholung, die Wiederaufarbeitung und das Recycling. Für den Arbeitsschutz ist es eine besondere Herausforderung, die Entwicklung dieser Verfahren im Produktlebenszyklus und die neu entstehenden Arbeitsplätze zu begleiten, insbesondere da potenzielle Konflikte zwischen Arbeitsschutzzielen und Nachhaltigkeitsanforderungen entstehen können.

Ausgewählte Themen, in denen die BAuA mit Blick auf den Klimawandel aktuell forscht, sind im Folgenden dargestellt.

Hitze

Höhere Lufttemperaturen im Freien und in Gebäuden verstärken die thermische Belastung des Körpers, z. B. des Herz-Kreislauf-Systems. Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch Schwitzen sind häufige Folgen. Dadurch kann ein gesundheitliches Risiko entstehen.

Mit dem vermehrten Auftreten von klimawandelbedingten Hitzewellen werden thermische Belastungen und ihre Folgen auch in unseren Breitengraden zunehmen.

Um gesundheitliche Beeinträchtigungen der Beschäftigten möglichst zu vermeiden, sind technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen (TOP-Hierarchie) erforderlich. Aufklärung zu den Zusammenhängen und den Gefahren ist auf Ebene der Verhaltensprävention eine grundlegende Maßnahme. Sie werden durch weitere Maßnahmen der Arbeitsorganisation (bspw. Anpassung der Arbeitszeiten) und Arbeitsgestaltung (bspw. leichtere Bekleidung) sinnvoll ergänzt.

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie auf den Seiten Klima am Arbeitsplatz

Solare UV-Strahlung

Der Klimawandel beeinflusst die Belastung von Beschäftigten im Freien durch solare UV-Strahlung auf unterschiedliche Weise. Die sich im Mittel verringernde Bewölkung und damit zunehmende Sonnenscheindauer führt zu steigenden Jahres-UV-Dosen. Als Folge der globalen Erwärmung ist vor allem im Frühjahr mit verstärkter Außenaktivität, leichterer Bekleidung und damit verhaltensbedingt mit einer Zunahme der UV-Belastung zu rechnen. Außerdem können zu dieser Jahreszeit durch den Klimawandel vermehrt Niedrig-Ozon-Ereignisse auftreten, die mit intensiver UV-Strahlung einhergehen. Die großzügige Abschattung von Arbeitsbereichen, das Vermeiden hoher UV-Belastungen zur Mittagszeit sowie das Tragen langärmliger Bekleidung, einer Kopfbedeckung und einer Sonnenbrille sind beispielhafte Schutzmaßnahmen gemäß der TOP-Hierarchie.

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie auf den Seiten Schutz vor UV-Strahlung der Sonne

Infektionskrankheiten

Der Klimawandel kann im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren der Globalisierung und der Mobilität von Menschen und Gütern auch das Auftreten von neuen Infektionskrankheiten bei Beschäftigten fördern. Beschäftigte im Freien und auch im Gesundheitswesen sollten deshalb verstärkt auf mögliche Veränderungen im Infektionsgeschehen hingewiesen werden. Darüber hinaus wird die Gesundheit der Beschäftigten auch durch Beschäftigungsstatus, Einkommen und Zugang zu Gesundheitssystemen bestimmt. Derzeit geltende Arbeitsschutzmaßnahmen bieten jedoch für Beschäftigte einen entsprechenden Schutz vor Erregern. Dies schließt die gegebenenfalls durchzuführende Anpassung an neue Situationen und neu auftretende Erreger mit ein.

Allergene und Toxine

Mit dem Klimawandel einhergehende Änderungen der Lufttemperatur und des Niederschlags ziehen Veränderungen in den Lebensräumen von Tieren und Pflanzen nach sich. Dies hat vor allem bei Pflanzen, die Allergien auslösen können, Einfluss auf die Gesundheit von Berufstätigen.

Manche Pflanzen produzieren aufgrund steigender Temperaturen mehr Pollen; außerdem kann sich durch den Anstieg von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre das allergene Potential einzelner Pollenarten verstärken, wodurch sich bei Betroffenen ein Allergieschub verlängert oder verstärkt. Bei bisher nicht betroffenen Personen können neue Allergien ausgelöst werden.

Gefahrstoffe

Mit dem Green Deal und der Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit werden tiefgreifende Änderungen im industriellen und gewerblichen Sektor der europäischen Wirtschaft eingeleitet. Hierbei ist die sichere Gestaltung von Tätigkeiten mit Gefahrstoffen eine wichtige Voraussetzung. Obwohl grundsätzlich ein systematisches Ausschleusen von Stoffen mit besonderer Besorgnis aus Wirtschaftskreisläufen angestrebt wird, sind etliche Chemikalien aus dieser Gruppe zur Sicherung des technologischen Wandelns unabdingbar. Dies sind z. B. Kobalt-, Nickel- und Lithiumverbindungen für die Elektromobilität. Für diese auch aus Gründen der Rohstoffsicherheit für die europäische Wirtschaft wichtigen Stoffe, sollen zukünftig feste Rückgewinnungsquoten in der EU festlegt werden. Die Bundesanstalt setzt sich, als Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung, für eine von den Herstellern und Importeuren unterstützte Anwendungssicherheit bei den angestrebten Recyclingprozessen ein, die auf Basis risikobasierter Maßstäbe die Gesundheit der Beschäftigten schützt.

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie im baua: Fokus "Anwendungssichere Chemikalien, Materialien und Produkte gewährleisten"

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

OK